Seitenwechsel

Das Projekt: Überquerung der Anden. Vom chilenischen Meer über einen der höchsten und einsamsten Pässe der Anden nach Argentinien.
Das Motiv: Langeweile. Suche nach einer Herausforderung.
Der Pass: Paso de San Francisco.
Die Höhendifferenz: Von 0 auf 4726 Meter über Meer.
Die Distanz: ca. 500 einsame Kilometer vom letzten chilenischen Dorf (Diego de Almagro) zum ersten argentinischen (Fiambalá). Letzte 111km vor der Passhöhe absolut unbewohnt.
Das Setting: Atacama, trockenste Wüste der Welt.
Die Begleiter: Vier Hunde und ein Fuchs.
Die Schwierigkeiten: Weite Strecken ohne Möglichkeiten an Wasser zu kommen. Kaputter Kocher. Eine der schlechtesten Strassen der Welt. Gefahr der Höhenkrankheit. Einsamkeit.
Die Belohnung: Grosses Glücksgefühl. Prägende, harsche, wunderschöne, unvergessliche Landschaften. Lange Abfahrt, komplett asphaltiert. Ende der Wüste (Bäume!). Schulterklopfer von mir selber.

nach Argentinien mit Stil

nach Argentinien mit Stil

Warm anziehen

Im chilenischen Chañaral ziehe ich in Badehose und Flipflops von der Touristeninformation zur Polizei zum Gemeindeamt, um mir Informationen über die Route einzuholen. Meine Frage, wo ich denn an Wasser kommen könne wenn ich den Pass mit dem Velo überquere scheint den Offiziellen sehr surreal anzumuten. Zögerlich schauen sie mich jeweils an und stellen dann die Gegenfrage: „Ja aber… hast du etwas warmes zum anziehen?“

Bohnen, Bohnen, nichts als Bohnen

Ich versuche verzweifelt die verstopfte Brennstoffleitung frei zu kriegen und so meinen Kocher wieder zum Laufen zu bringen, doch ohne Erfolg. In bester „Wo ein Wille da ein Weg“-Manier lasse ich mich davon aber nicht aus der Bahn werfen und halte am Vorhaben fest, die Anden zu überqueren. So suche ich in Diego de Almagro (letztes chilenisches Dorf auf der Route, mehr als 200km vor dem Pass) das Lebensmittelgeschäft nach Proviant ab der nicht gekocht werden muss. Dies ist zwar um einiges gewichtiger (man vergleiche z.B. mit Reiskörnern), doch keineswegs unmöglich. Hier das Resultat:

Proviant für eine Woche

Da mir das Brot am ersten Tag unbemerkt vom Velo fällt bleiben mir fast ausschliesslich noch die Hülsenfrüchte für die kommende Woche. „Hm, was soll ich heute essen, leckere Bohnen oder doch lieber Kichererbsen? Oder etwa schon wieder Linsen?“ Wie bin ich froh ein hausgemachtes Ketchup-Chili-Gemisch dabei zu haben, um der eintönigen Geschichte zumindest einige Farbtupfer zu verleihen.

wenig inspirierende Mahlzeit auf >4000 m.ü.M.

wenig inspirierende Mahlzeit auf >4000 m.ü.M.

Ketchup

„Pflatsch.“ „Ach, nicht schon wieder!“ Schmunzelnd putze ich mir das Gesicht ab. Jedesmal, wenn ich den Drehverschluss meines Ketchups öffne, spritzt es mir ins Gesicht und erinnert mich so an die Höhendifferenz (ich hätte die Steigung sonst ja nicht bemerkt). Der Luftdruckunterschied macht sich auch bei meinen Bohnen-Tetrapacks bemerkbar, welche ab 4000 m.ü.M. dem Platzen bedrohlich nahe sind.

Sonderbar

Ich staune nicht schlecht als in der Abenddämmerung, nach vielen einsamen Tagen in der Wüste, plötzlich ein Fuchs vor mir steht. Wir beäugen einander lange, ehe er mit lautem Gebell die Stille abrupt bricht. Woah, Fuchse bellen? Hat mich ganz schön erschrocken. Als ich weiterfahre trottet mir der ungewohnt unängstliche Fuchs nach und lässt sich durch nichts von nichts von der Verfolgung abbringen, sämtliches Anschreien und Drohgebaren lässt ihn unbeeindruckt. Sonderbar…

Die Eskorte

Den Fuchs schlussendlich doch noch abgeschüttelt erreiche ich spätabends Agua Dulce („Süsswasser“ – klingt vielversprechend!), dessen zwei einzige Bewohner ich in der Dunkelheit mächtig erschrecke. Dass ein Reisender hier in dieser abgelegenen Gegend vorbeikommt und um Asyl bittet ist ihnen auch noch nie vorgekommen. Die Ziegenbauern nehmen mich dann aber freundlich auf und laden mich zum Nachtessen ein, und nach der obligatorischen Meer-Diskussion („Keinen Tropfen kriegen die verdammten Peruaner von uns, keinen einzigen!“) geleiten sie mich zum Stall, worin ich mein Zelt aufstelle.

Einer der beiden Hunde der Bauern patrouilliert nachts um mein Zelt herum und verscheucht mit lautem Gebell alles was sich mir nähert (der Fuchs?). Als ich am nächsten Morgen weiterfahre, folgt er mir mit seinem Kollegen, und so gehen wir zusammen auf Wanderschaft. Ich freue mich ober der Gesellschaft. Die Hunde kümmern sich gut um mich, sie halten mir andere Hunde vom Leib, und immer wenn ich Pause mache warten sie geduldig. Als sie mir mittags aber immer noch folgen beginne ich mir Sorgen zu machen: Die Hunde können doch nicht einfach mit mir mitkommen, sie haben Besitzer und müssen nach Hause zurück. Ausserdem kann ich unmöglich Speis und Trank mit ihnen teilen. Ich erkläre ihnen dass ich nach Patagonien unterwegs bin und nicht gedenke jemals umzukehren, doch dies lässt sie unbeeindruckt. Alles bitten, sie sollen doch nach Hause zurückkehren hilft nichts. Und ich kann sie unmöglich anschreien, so lieb wie sie zu mir sind. Wie werde ich die beiden Abenteurer nur los?

Begleiter Nr. 1 und 2

Bei einem Elektritätswerk greifen sechs Hunde an, begleitet von lautem Gebell. Meine Leibwächter kämpfen tapfer, doch einer der beiden bleibt im Kampfgetümmel zurück. Ich hoffe er ist jetzt auf dem Rückweg nach Hause. Später komme ich zu einem einzelnen Haus, wo ich wie von den Ziegenbauern beschrieben mein Wasser auffüllen kann. Der Einwohner hat ebenfalls zwei Hunde, welche sofort auf mich zu gerannt kommen und sich mit dem meinen herumtollen. Ich erfahre dass sich die Hunde kennen. „Mach dir keine Sorgen, der Hund wird schon bald umkehren“, beruhigt mich der Mann. „Ok, aber ihre Hunde werden mir nicht etwa auch folgen?“ Er lacht: „Nein nein, meine werden dir bestimmt nicht nachlaufen“. Denkste, schon nach hundert Metern kommen seine beiden Hunde auf uns zugerannt. Ihr Besitzer ruft und ruft, doch vergebens. Zu viert setzen wir den Weg fort.

Begleiter Nr. 3 und 4

H2O

Aufgesucht habe ich die Bewohner von Agua Dulce in erster Linie um mein Wasser aufzufüllen und nicht für die Übernachtung (ich hätte ja auch wild Zelten können). Denn Möglichkeiten an Wasser zu kommen sind bei diesem Passübergang äusserst dünn gesät. Von den Ziegenbauern erfahre ich dass die „Ortschaft“ Montandón, welche auf meiner Karte eingezeichnet ist, lediglich aus einem Elektrizitätswerk besteht, möglicherweise unbemannt. Gut dass ich noch nachgefragt habe! Ich erfahre von einem einzelnen, bewohnten Haus, etwas weiter entfernt, wo ich als nächstes Wasser nachfüllen kann.

Generell schleppe ich immer etwas zu viel Wasser mit (was, wenn der gute Herr im einzigen Haus weit und breit gerade nicht zuhause gewesen wäre?), und mit zwei Petflaschen sowie meinem 10l-Wassersack verfüge ich über mehr aks genügend Fassungsvermögen dazu. Dummerweise geht mir ebendieser Sack noch am selben Tag kaputt. Einen Teil des Wassers kann ich retten um ohne Probleme bis nach La Ola (4 Häuser) und dem chilenischen Grenzkomplex zu kommen. Hier am Zoll gibt es allerdings keinerlei fliessend Wasser… Die Spülung der Toiletten funktioniert manuell, d.h. man muss per Kübel Wasser hineingiessen, welches aus einem kleinen Tank kommt und dessen Einnahme explizit verboten ist. Die Grenzbeamten derweil haben einen 20l-Kanister Trinkwasser im Haus stehen, den die Ablösung jeweils mitbringt und austauscht. Die Männer sind sehr hilfsbereit und überlassen mir so viel von ihrem Wassers wie ich brauche. Dieses in meinen Wassersack zu füllen wäre aber nicht die beste Idee, nun da er ein Loch hat. Ich brauche mehr Flaschen. Gar nicht so einfach hier welche aufzutreiben, doch die Grenzbeamten helfen mir: Am Ende schütten sie sogar Süssgetränke aus um mir zu den wertvollen Behältern zu verhelfen, welche andernorts ohne jegliche Wertschätzung in den Strassengraben geworfen werden.

Trotz allem verfüge ich aber nur über eine knappe Menge an Wasser, denn zum Pass sind es immer noch 111 unberechenbare und potentiell sehr mühsame Kilometer. Unterwegs klettere ich deshalb einen Canyon zum Río Lama herunter (ein Bach, woraus die gleichnamigen Tiere ebenfalls trinken, also nicht optimal), um das bereits geleerte Volumen gleich wieder zu füllen. Dieser Bach liefert das einzige halbwegs trinkbare Wasser in der Gegend, denn alle anderen Gewässer in Passnähe (inkl. der Laguna Verde) sind salzig. Schlussendlich habe ich aber keinerlei Wasserprobleme. Der Pass wird zwar täglich nur von zwei, drei Vehikeln überquert, doch genau wegen dieser Einsamkeit (kombiniert mit der unwahrscheinlichen Erscheinung eines einsamen Velofahrers auf diesen verlassenen Höhen) halten die Autofahrer alle für einen Schwatz an, sodass ich mir meinen Wasservorrat auf halbem Weg dankbar von ihnen nochmals auffüllen lassen kann.

Hinunter in den Canyon um Wasser aufzufüllen

Zum Glück ist die Strecke beschildert!

Da ich ohne Kilometerzähler unterwegs bin, bin ich immer froh um Schilder mit Distanzangaben, damit ich ungefähr weiss wo ich mich befinde. Glücklicherweise sind in Chile die Strassen stets gut beschildert:

Distanzangaben

Distanzangaben

Distanzangaben

Distanzangaben

In unregelmässigen Abständen tauchen solche Schilder mit Distanzangaben zu irgendwelchen beliebigen argentinischen Ortschaften auf, hunderte Kilometer entfernt. Dabei will ich doch nur wissen wie weit es noch zum Pass ist…

Sonntagsfahrer

Ich fahre, schiebe, stosse, zerre, krieche und kämpfe mich gerade die letzten fünf Kilometer hoch zum Pass, als mir ein Pärchen auf einem Motorrad entgegenkommt und an mir vorbei fährt. Ich staune wie leicht sie reisen, keinerlei Gepäck zu sehen! Ohne weitere Gedanken an die beiden zu verlieren widme ich meine Aufmerksamkeit wieder der äusserst miesen und sehr losen Schotterpiste, auf der Aufwärtsfahren fast unmöglich ist.

Dabei sah vor 100 Kilometern alles noch so rosig aus: Völlig unerwartet verwandelt sich dort am Grenzposten Maricunga das kleine Natursträsschen plötzlich in eine breite Strasse aus neuem, feinstem Asphalt. Wow, das ist mal eine schöne Überraschung, bisher habe ich nur das Umgekehrte erlebt (meine futuristische Bolivienkarte sah noch an so manchen Orten Teer wo keiner war). Leider kamen die Strassenarbeiten noch nicht sehr weit, und nach 30 bis 40 Kilometern kehrt der Schotter zurück, und wie. So viele lose Steine rauben einem den Halt, dies ist mit Abstand die schlechteste nicht-Sandstrasse auf die ich je Rad gesetzt habe. Dazu geht es noch aufwärts! Fahren so gut wie unmöglich, wäre da nicht der irre chilenische Westwind, der heute für einmal voll und ganz auf meiner Seite ist. Kräftig bläst er mich über das Geröll, währenddem ich versuche die Balance irgendwie zu halten. Es ist total verrückt: Pause zu machen und mich gegen den Wind zu stemmen (um Velo und mich aufrecht zu halten) kostet mich mehr Kraft als einfach in Windrichtung weiter zu fahren.

Dies ist nicht irgendein zufälliger Ort in der Steinwüste, dies ist die Strasse!

So lege ich an diesem Tag tatsächlich die vollen 90km zur Laguna Verde zurück, eine Distanz die ich hier oben nie für möglich gehalten hätte. An der Laguna Verde befindet sich ein Refugio, eine Schutzhütte, gelegen am Fusse von Klippen und stets im toten Winkel der Strasse, Beschilderung nicht vorhanden. Zum Glück haben mich die Autofahrer denen ich auf der Strecke begegnete darüber informiert. (Später treffe ich andere Velofahrer die den Pass überquerten und nichts von der Hütte wussten.) Widersprüchliche Angaben habe ich dazu erhalten ob die Hütte auch wirklich offen sei zu dieser Jahreszeit. Völlig benommen vom verrückten Tag und dem starken Wind nähere ich mich dem Refugio, lege meine Hand an die Türfalle, halte den Atem an und drücke die Klinke herunter. Offen!

Spektakulärer Toilettenbesuch: Blick von der Outdoortoilette aus auf die Laguna Verde und das Refugio

Die Hütte ist einfach genial. Nicht nur bietet sie unentgeltlich Windschutz, Tisch und Bett inmitten einer grandiosen Landschaft, sondern hier befinden sich zudem auch heisse Quellen! Ein warmes Bad ist nun genau das richtige um den geschüttelten Körper und Geist zu entspannend. Lange verweile ich im in der Hütte eingebauten Pool (es hat auch einen natürlichen Outdoorpool, aber da werde ich heute passen), um die Batterien für den morgigen Tag wieder aufzuladen. Noch 20 Kilometer und 400 Höhenmeter fehlen bis zum Pass. Zwar ist der hilfreiche Wind am Vormittag abwesend (kommt jeweils erst um die Mittagszeit auf) und die Strasse so schlecht wie bis anhin, doch es sind lediglich 20 Kilometer, das kann doch nicht so schwierig sein.

Geduldig arbeite ich mich nun eben diese verbleibenden Kilometer hoch während ich den gestrigen Tag Revue passieren lasse, als plötzlich das Pärchen auf dem Motorrad wieder auftaucht. Und diesmal halten sie an für ein Gespräch. Die beiden Argentinier bringen ihre grosse Unzufriedenheit über den Strassenbelag zu Wort (ich sympathisiere mit ihnen) und fragen mich, wie lange diese miserablen Zustände denn noch anhalten und wo zum Henker sich eigentlich der chilenische Zoll befinde. „Nuuuuuuun… Zum Zoll sinds noch etwa 100 Kilometer, davon 60 bis 70 auf ebendiesem Belag“. Waaas? Ja wo sich denn die nächste chilenische Ortschaft befinde, wollen sie wissen. „Ich bin über Diego de Almagro gekommen, etwa 280 Kilometer von hier, doch möglicherweise ist Copiapó näher. Moment, ich hol die Karte hervor…“ Doch das Pärchen hat bereits genug gehört. Irritiert schauen sie mich an und beschliessen, zurück zum argentinischen Zoll zu fahren (ca. 30km von hier) um dort Informationen einzuholen, und dann gegebenenfalls wieder hierher zurück zu kehren. Meine Angaben erscheinen den beiden wohl völlig absurd. Sie ziehen von dannen und ich sehe sie nicht wieder.

Ein lustiger Zeitgenosse, der mit seiner Partnerin ein Ausfährtchen macht und mal eben spontan einen der höchsten und einsamsten Andenpässe hochfährt, ohne jegliche Ahnung oder Information darüber zu haben. Besser nachvollziehen kann man dies wenn man die Infrastruktur der beiden Länder am Pass vergleicht, denn dies ist wie Tag und Nacht. Während man in Chile Informationen zum Pass mühsam zusammensuchen muss, informieren in Argentinien prominent platzierte Schilder über Distanzen, Infrastruktur, Berge, etc. Die Strasse in Argentinien ist komplett und gut asphaltiert und über den ganzen Aufstieg verteilt wurden 6 Schutzhütten zur freien Benutzung gebaut. Die Region ist touristisch gut erschlossen, viele Argentinier fahren zwar nicht über den Pass, aber ein gutes Stück weit hoch, um dort zu fischen, zwischen den 6000ern zu wandern oder sie zu besteigen, den Salar de San Francisco zu besichtigen, Höhlen zu erforschen, zu klettern, und so weiter und so fort. Auf der chilenischen Seite hingegen scheint man sich nicht wirklich um den Pass zu kümmern, obwohl die Landschaften hier nicht weniger spektakulär wären.

Eines der 6 Refugios auf der argentinischen Seite des Passes

Hey, ein Baum!?

Der Anblick erfüllt mich mit Freude. Lange ist es her seit ich zuletzt einen richtigen Baum gesehen habe…

Von 0 auf 4726 und hinunter auf 1505

Tag Route km Übernachtung
1. 12. 2012 Chañaral – Diego de Almagro 60 Unterkunft
2. 12. 2012 Pausentag Unterkunft
3. 12. 2012 Diego de Almagro – Agua Dulce 60 Ziegenstall
4. 12. 2012 Agua Dulce – (nach Salar de Pedernales) 60 Zelt
5. 12. 2012 (nach Salar de Pedernales) – Salar de Maricunga 55 Raum in Grenzstation
6. 12. 2012 Salar de Maricunga – Laguna Verde 90 Refugio
7. 12. 2012 Laguna Verde – Las Peladas (Refugio No. 5) 60 Refugio
8. 12.2012 Las Peladas (Refugio No. 5) – Chaschuil (Refugio No. 2) 85 Refugio
9. 12.2012 Chaschuil (Refugio No. 2) – Fiambalá 85 Unterkunft

Landschaften aus einer anderen Welt

Farbige Wüste

Felsformationen der Wüste

Zurück im Hochland (ca. 4000 m.ü.M.)

Zeltplatz… Ganz schön kalt hier oben!

Canyon des Río Lauca, im Hintergrund das Vulkanmassiv Tres Cruces, wovon allen 3 Spitzen höher als 6000 m.ü.M. sind

Abzweigung zum Ojos del Salado (rechts im Hintergrund), dem höchsten Vulkan der Welt (6893 m.ü.M.)

Umgeben von 6000ern

Nach einem harten Tag eröffnet sich mir plötzlich der Blick auf die Laguna Verde. Atemberaubend!

Laguna Verde, 4350 m.ü.M.

Himmel in Flammen

Salar de San Francisco

Tolle Landschaften auch auf der argentinischen Seite. Klare Unterschiede jedoch bzgl. des Strassenbelages.

Goldgelbe Hügel

Im Schatten der mächtigen Anden

Tiefer unten wird die Landschaft vegetationsreicher. Anfahrt von La Angostura mit seinen roten Felsen.

Fotos Chañaral – Fiambalá

Videos Chañaral – Fiambalá

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Abbey Road

London, England

London, England

P1020793 - abbey road

Taltal, Chile

Altiplano, Chile

Altiplano, Chile

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Durch die trockenste Wüste der Welt

Kokosmilch und Erdbeersaft

Nach vielen Besuchen des Hare Krishna Tempels Antofagastas und dessen tollen Bewohnern mache ich mich spirituell gestärkt und vor allem gut ernährt auf ins Innere der Atacamawüste. Dazu muss aber erst einmal der ca. 1000m hohe Küstengebirgszug erklommen werden. Ich geniesse die erste nennenswerte Steigung seit langer Zeit und lehne nach wie vor alle Angebote von Lastwagenchauffeuren, mich mit zu nehmen, dankend ab. Ehe ich mich versehe komme ich bereits oben an und erblicke die Ruta 5 (die Panamericana) und den Industriekomplex La Negra. Dank gut recherchierten Informationen blieb es mir erspart Unmengen an Wasser den Berg hoch zu schleppen, denn dieses kann ich mir bei der hiesigen Tankstelle besorgen. Dazu ist hier aber die letzte Möglichkeit, denn auf den nächsten 150km gibt es absolut rein gar nichts. Sechzehn (16) Liter Wasser lade ich mir aufs Velo, was zusammen mit 1l Erdbeersaft, 4dl Kokosmilch und 3dl Gatorade sage und schreibe 17,7 Liter Flüssigkeit ergibt! Besser zu viel als zu wenig, und so kann ich es mir vielleicht auch mal leisten die Hände etwas zu waschen. Zusammen mit dem in Antofagasta getätigten Grosseinkauf an Nahrungsmitteln habe ich nun klar Rekordgewicht, denn aus Freude über denn wieder einsatzbereiten Kocher (es ist mir gelungen in Antofagasta eine Ersatzpumpe aufzutreiben) habe ich mir alles mögliche zusammengekauft. Die Rückkehr des Kochers wird dann mittags mit einem leckeren, warmen Eintopf aus Reis, Kokosmilch, Champignons, Frühlingszwiebeln und Palmenherzen gebührend gefeiert.

Erklimmung der Küstenkordillere (Blick zurück)

Im Herzen der Wüste

Der Wind ist mir hold und weht hauptsächlich von hinten, doch trotzdem komme ich einfach nicht vorwärts. Für die visuelle Bestätigung fehlen zwar Referenzpunkte, doch die Strasse scheint stetig zu steigen. Bald setzt Kopfweh ein. Hm, wohl erkältet vom Wind, oder …könnte es am Ende an der Höhe liegen? Mir fällt auf dass ich die letzten 1,5 Tage eigentlich nur gestiegen bin. Ich könnte mich hier also gut und gerne auf 2000 Höhenmeter und mehr befinden. Mittags erreiche ich dann endlich den höchsten Punkt und es beginnt eine Abfahrt – und was für eine! Kein anderer Verkehrsteilnehmer weit und breit, feinster Asphalt, eine lange, kurvenlose Gerade, steil abfallender Gradient und kräftiger Mitwind, da kommt mächtig Tempo auf! „Huiiiiiiiiiii!“, „Yiiiihaaaaaaa!“, „Tagg!“, „Pfffffffffffffff…“ „Flapflapflapflapflapflapflap.“ Anhalten, absteigen, alles abladen und Schlauch wechseln. Kein Vergnügen bei dieser Windstärke! Während der Wind mir Sand ins Gesicht trägt weht er zudem alles was nicht niet- und nagelfest ist in sekundenschnelle über alle Berge – auf Nimmerwiedersehen. Mehr als einmal muss ich alles stehen und liegenlassen (bzw. hinschmeissen) um meinen Sachen hinterher zu sprinten („He, das brauch ich noch!“). Endlich wieder startbereit beschliesse ich kurzerhand das Mittagessen zu streichen – solch einen Mitwind bekommt man schliesslich nicht alle Tage! Ausserdem kann man so eh nichts Vernünftiges kochen wenn es einem alle Zutaten gleich wegwindet. Also kurz eine Banane verspeist und weiter gehts. Der Wind ist hier wirklich brutal stark Nachmittags. Ich muss an die beiden deutschen Tramperinnen denken, mit denen ich in La Negra ins Gespräch kam: „Wind? Nein unter Tags ists ja ruhig, aber Nachts ists richtig krass!“, meinten sie, nachdem sie gerade gezeltet hatten. Keine Ahnung wo die beiden ihren Nachmittag verbracht haben, im Freien jedenfalls nicht.

Platten

Wüstenblume

Dank dem freundlich gestimmten Wind und dem leichten Abwärtstrend rolle ich nun so gut wie anstrengungslos dahin – Zeit, die Wüstenlandschaften mal wieder richtig zu geniessen, die kahlen Hügel mit ihren Braun-, Gelb-, Orange- und Rottönen auf mich einweirken zu lassen. Huch, was ist denn das?? Am Strassenrand wächst eine Blume!? Hm, hier muss offensichtlich jemandem ein Wasserkanister vom Wagen gefallen sein. Doch es tauchen immer mehr Wüstenblumen und Sträucher auf – so viele Wasserkanister können unmöglich verloren gegangen sein!

Des Rätsels Lösung ist Nebel. Denn hier bin ich lediglich noch eine 30km-Abfahrt vom Meer entfernt, wo sich oft starker Nebel bildet, welcher die Pflanzen mit genug Feuchtigkeit versorgt um zu gedeihen. So nimmt die Vegetation Richtung Meer hin stetig zu, überall wachsen Kakteen, Blumen und Sträucher. Aufgrund dieses aussergewöhnlichen Wachstums mitten in der Wüste wurde der Ort zur geschützten Zone erklärt, dem Reserva Nacional Paposo, gleichnamig dem hiesigen Fischerdörfchen. Ich suche mir ein nettes Plätzchen zwischen den Felsen am Strand, koche mir ein leckeres Abendessen und geniesse einen weiteren spektakulären Sonnenuntergang. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer der Küste entlang nach Taltal, dem mit 10’000 Einwohnern ersten nennenswerten Ort seit Antofagasta.

Sonnenuntergang am Pazifik

Von Mindeststandards und Magellanschen Wolken

Vormittags um elf komme ich in Taltal an und mache mich zuerst auf die Suche nach einer Unterkunft. Wie immer suche ich ein einfaches, billiges Zimmer (die Reise ist lang) und stelle die üblichen drei Checkfragen: Kann ich das Velo mit ins Zimmer nehmen? Lässt sich das Zimmer ordentlich abschliessen? Hat es eine Steckdose? Drei mal ja, also gekauft. Für chilenische Verhältnisse bin ich heute mit ca. 12 Franken richtig billig weggekommen. Erst später stelle ich fest dass ich im Zimmer kaum atmen kann, alles riecht stark nach Rauch, mir wird übel. Die ca. 100 „Rauchen verboten“-Schilder im Gang helfen mir da auch nicht. Hm, vielleicht sollte ich in Zukunft doch etwas wählerischer sein mit den Unterkünften…

Da schlafe ich wirklich lieber im Zelt, und dies ist hier in der Wüste ist so einfach wie noch nie. Hier gibt es weder Regen noch hohe Luftfeuchtigkeit, sodass ich aufs Aussenzelt getrost verzichten kann. Eigentlich müsste ich gar kein Zelt aufbauen, denn im Wüsteninnern gibt es keine dieser ungeliebten Krabbeltierchen und Stechinsekten. Und sind hier die Sonnenuntergänge schon fantastisch, wie sie in einem Lichtspiel die kahlen Hügel erleuchten, ist der darauffolgende Nachthimmel schlichtweg spektakulär. Hier ist sowohl die Licht- als auch die Luftverschmutzung auf einem Minimum und dem Betrachter eröffnet sich somit ein Anblick auf Millionen von Sternen. So kann man hier z.B. neben der Milchstrasse zwei weitere Galaxien gut erkennen: Die Magellanschen Wolken, welche nur von der Südhalbkugel aus sichtbar sind. Der Himmel im Wüsteninnern ist 365 Tage im Jahr klar, nie verringern Wolken (unmagellansche),  hohe Luftfeuchtigkeit oder (nicht-kosmischer) Nebel die Sicht. Es ist also kein Zufall dass sich hier in der Atacamawüsten zahlreiche Observatorien mit einigen der grössten und teuersten Teleskopen der Welt befinden. Am Fusse eines der wichtigsten, dem Paranal-Observatorium, komme ich durch meinen eigenwilligen Abstecher von der Panamericana direkt vorbei.

Zelten in der Wüste

Wo Zuckerbrot auf Bäumen wächst

Da der Küstengebirgszug im Folgenden wieder steil ins Meer abfällt und daher keine Küstenstrasse existiert, bleibt mir nichts anderes übrig als die Küstenkordillere erneut zu erklimmen um zurück auf die Ruta 5 zu gelangen. Gerade als mir etwas langweilig wird überschreite ich die Regionsgrenze in die Región III (Región de Atacama), wo sich mir die Wüste von ihrer spektakulärsten Seite präsentiert, mit tollen Aussichten und einer fantastischen Abendstimmung in bunter Wüstenfarbpalette. Die gute Laune wird dann aber arg getrübt durch den erneuten Ausfall meines Kochers. Bis jetzt habe ich damit gerade mal vier Mahlzeiten zustande Gebracht, Eintöpfe welche mit Kosten von jeweils ca. 70 Franken (alle Unkosten geteilt durch vier) dem Preis nach zu urteilen in der Luxuskategorie gelegen haben müssten.

Wüstenhimmel

Kulinarische Highlights bleiben aber nicht lange abwesend, denn schon am nächsten Morgen erreiche ich den Parque Nacional Pan de Azúcar, den Zuckerbrotnationalpark. In bereits meinem dritten Umweg über die Küste (weiter durchs Landesinnere wäre einmal mehr direkter) fasziniert mich hauptsächlich der Strassenbelag, denn noch nie zuvor in meinem Leben ist mir etwas vergleichbares unter die Räder gekommen. Sieht aus wie ein Natursträsschen, doch ich rolle wie auf Asphalt. Ich muss vom Velo steigen um den Tatbestand aus nächster Nähe zu begutachten. Teer ist es definitiv nicht, doch die Naturstrasse weist verblüffende Ebenheit und Konsistenz auf. Nur wenige Kilometer weiter klären mich Strassenarbeiter auf: Es handelt sich hier um eine Naturstrasse stabilisiert mit Salz. Gut gemacht steht der Belag dem Asphalt um nichts nach, ist jedoch bedeutend billiger. Ein solcher Belag geht allerdings bei Regen bald kaputt, doch glücklicherweise befinden wir uns hier gerade in der trockensten Wüste der Welt.

Ist es Asphalt? Rätselraten um den Strassenbelag im Parque Nacional Pan de Azúcar

Tag Route km Übernachtung
24.11.2012 Antofagasta – (nach Abzweigung Caleta el Cobre) 75 Zelt
25.11.2012 (nach Abzweigung Caleta el Cobre) – (nach Paposo) 115 Zelt
26.11.2012 (nach Paposo) – Taltal 45 Unterkunft
27.11.2012 Taltal – (vor Las Bombas) 80 Zelt
28.11.2012 (vor Las Bombas) – Chañaral 60 Unterkunft

Euer Berichterstatter in der Atacamawüste

Fotos Antofagasta – Chañaral

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Finde den Fehler

Finde den Fehler

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Zwischen Wüste und Meer

Zwischen Wüste und Meer

Zwischen Wüste und Meer

Zwischen Wüste und Meer

Zwischen Wüste und Meer

Iquique ist sooo toll! Stellt euch mal vor, hier gibt es so genannte „Supermärkte“, eine Art Laden, aber riesig gross und voll von Produkten aus verschiedensten Orten des Landes und der ganzen Welt. Diese Produkte sind alle versammelt an ein und demselben Ort, so dass der Kunde garantiert fündig wird und sich das Beste aussuchen kann. Es hat nicht vielleicht mal Karotten oder mit etwas Glück mal einen Apfel, nein: Eine ganze Fruchtpalette steht einem jeden Tag konstant zur Verfügung. Beim Brot muss man nicht fragen ob es von heute ist oder wann denn bitte frisches kommt, denn hier ist es immer frisch. Und es gibt Produkte zu kaufen die man an anderen Orten nie zu sehen bekommt, wie etwa Baumnüsse oder Toblerone. Zudem ist alles in grossen Mengen vorhanden, hier muss man keine Angst haben dass der vorangehende Kunde einem die einzige Tomatensauce im ganzen Ort vor der Nase wegkauft!

Oft lernt man Dinge erst richtig zu schätzen wenn man sie verliert. In den letzten paar Wochen waren kleine Lädelchen nämlich meine einzige Bezugsquelle von Esswaren. So Grundsätzliche Lebensmittel wie Brot, Früchte, Reis und Schokolade waren auf einmal keine Selbstverständlichkeit mehr. Mit Argusaugen checkte ich jeweils das Lädelchen ab, um dann vielleicht mal – hurra – eine einsame Sauce im Regal zu entdecken. In den letzten Tagen kehrten gleich mehrere vermeintliche Selbstverständlichkeiten in mein Leben zurück, wie etwa Strassenschilder, Mülleimer und Asphalt.

Die Geier ziehen ihre Kreise

Wüstenszene, ein dutzend Geier kreisen über meinem Kopf. Ätsch, mich bekommt ihr nicht, ich hab noch Wasser 😛 Andernorts haben sie mehr Glück: Ein grosser Hund ist einem Fahrzeug zu viel nachgejagt und liegt jetzt tot auf der Strasse, seine Organe verstreut. Uiks. Mich faszinieren die Geier. Diese Vögel sind richtig gross und kreisen oft meternahe an mir vorbei. Sie sind Karnivoren, jedoch ohne zu morden. Nichtsdestotrotz, als ich mich einem sitzenden Geier annähere um ihn besser aufs Foto zu kriegen, komme ich nicht daran vorbei von seinem grossen, spitzen Schnabel Notitz zu nehmen und bekomme Zweifel an seiner stoischen Passivität. Bilder von Hitchcocks „The Birds“ (Die Vögel) schiessen mir durch den Kopf, und folglich fotografiere ich den Vogel aus respektvoller Distanz.

Geier

Beim Strassenrandgespräch mit einer aufgestellten Topografentruppe erfahre ich von Javiera den Namen der Geier: Cora. In Chile werden auch viele Männer Cora genannt, erklärt sie mir weiter, da diese die Chicas wie Geier beäugen und kreise um sie ziehen. „Schau“ – Javiera lächelt einem gerade vorbeifahrenden Lastwagenfahrer zu – Lastwagenfahrer: „Huup Huup!“ – „Er ist cora!“. Ich mag bildhafte Erklärungen 😀

Über dem Meer

Die hohe Präsenz der Geier auf meiner Route ist auf die Nähe zum Meer zurück zu führen, dessen Ökosystem reichlich Nahrung für die Geier an den Stränden zurücklässt. Von Iquique aus folge ich der Ruta 1 nach Antofagasta, welche über 400 km hauptsächlich dem Meer entlang führt. Eine absolute Traumstrasse, mit der steil ansteigenden, hohen Küstenkordillere und der Wüste zur Linken und dem weiten Ozean zur Rechten. Unzählige Strände säumen die Buchten, menschenleer, doch voll von Vögeln, die in grossen Schwärmen umherziehen. Neben den unzähligen Möwen sind hier auch grosse Pelikane zu Hause. Auch die eine oder andere Robbe treibt sich an den Stränden rum.

Der Strand gehört den Möwen

Fischer

Fischer

Ich befinde mich hier zwar in einer Wüste, doch unmittelbar am Meer sind die Charakteristika natürlich etwas speziell. Es existieren viele Fischerdörfchen am Weg, circa alle 10 km taucht wieder eine Hüttengruppe auf. Somit ist die Versorgung von Wasser und Proviant überhaupt kein Problem. Ja, diese Etappe durch die Wüste ist wohl sogar die bisher einfachste der Tour, nirgends zuvor lagen die Siedlungen so dicht beieinander.

Da die Strasse aus feinstem Asphalt besteht komme ich auch gut voran – also am Vormittag zumindest. Am Nachmittag bilden sich dann jeweils die starken Passatwinde, die hier stets von Südwest angebraust kommen. Nach 13-tägiger Pause in Iquique bin ich zu Beginn etwas übermotiviert und fahre die ersten 2 Tage auch gegen die Winde an. Doch mit erschöpften Körper kann ich die Umgebung und die Reise nicht wirklich geniessen. An den folgenden Tagen gehe ich es deshalb gemütlicher an und wähle jeweils bereits am frühen Nachmittag den schönsten Strand zum Übernachten aus.

Zelten am Pazifik

Zelten macht hier in der Wüste so richtig Spass. Am Meer sind die Nächte gemässigt und Regen muss man keinen fürchten, also kann ich getrost auf das Aussenzelt verzichten. So kann ich beim Einschlafen die Sterne beobachten, begleitet vom meditativen Rauschen der Wellen. Auswahl an einsamen Strandzeltplätzen gibts genug hier, die zahlreichen Tsunamiwarnschilder von Iquique habe ich derweil natürlich bereits vergessen (ups).

Einsame Strände

Während ich die Menschen und Sitten Boliviens ganz gut kennengelernt habe und mich dort bald total wohl und zuhause fühlte, bin ich hier in Chile nach wie vor etwas unsicher. Eines Abends als ich an einem einsamen Strand mein Zelt aufbaue, wie üblich ausser Sicht von Häusern und Leuten, biegt ein Auto von der Strasse ab und fährt über die Spur im Sand direkt zu mir herunter. O-oh, ich bin entdeckt! Angespannt beobachte ich wie das Auto näher kommt. Der Fahrer hält an, lässt das Fenster herunter und reicht mir Getränke, Bananen und Kekse und wünscht mir gute Reise. Einmal mehr lässt mich die herzliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Chilenen überwältigt.

In der Wüste machen sich so einige Leute ein Leben, denn hier gibt es weit mehr als Fischerei. Ich komme an grossen Salzhaufen vorbei: Das Salz wird von den Salzseen/Salzwüsten des Landesinneren hierher transportiert, zum Trocknen zwischengelagert und anschliessend verschifft. Für das grosse Geschäft sorgen aber die zahlreichen Minen, welche Orten wie Tocopilla und Antofagasta zu Prosperität verhelfen. Antofagasta hat ca. 400’000 Einwohnern und ist eine der teuersten Städte Südamerikas. Kurz nachdem ich total überrascht den südlichen Wendekreis überquere (habe gar nicht daran gedacht) erblicke ich die Wüstenstadt durch das berühmte Felsportal im Meer. Nach dem lockeren Strandleben der letzten Tage mache ich mich in Antofagasta nun bereit für eine seriösere Expedition ins Wüsteninnern, ins Herz der Atacamawüste, der trockensten der Welt.

Antofagasta

Manuel 008

Huanchaca-Ruinen in Antofagasta (mit Manuel)

Tag Route km Übernachtung
 14.11.2012  Iquique – (nach Río Seco)  90  Zelt
 15.11.2012  (nach Río Seco) – (nach Punta Arenas)  90  Zelt
 16.11.2012  (nach Punta Arenas) – Tocopilla  45  Hotel
 17.11.2012  Pausentag  –  Hotel
 18.11.2012  Tocopilla – ?  65  Zelt
 19.11.2012  ? – (vor südlicher Kreuzung Mejillones)  75  Zelt
 20.11.2012  (vor südlicher Kreuzung Mejillones) – Antofagasta  60  Hotel

Fussgängerstreifen, Tocopilla

Fotos Iquique – Antofagasta

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Spurt nach Iquique

„Eine Übernachtung im Hotel Inka kostet zwischen 20’000 und 25’000 Pesos“. Waas? Soviel habe ich nicht! Verzweifelt frage ich meine beiden jugendlichen Begleiter etwas vor Colchane nach Alternativen. Es gäbe ein weiteres Hotel in etwa der selben Preiskategorie. Doch halt, da sei noch eins, von dem sie aber nicht wüssten wie viel sie dort verlangen. 20’000 Pesos sind zwar nur etwa 40 Franken, doch mein Flüssiges ist derzeit äusserst knapp. Denn in Oruro, der letzten Stadt in Bolivien, waren fast keine chilenischen Pesos aufzutreiben. Ein Bankomat würde meine Probleme lösen, doch wie befürchtet gibt es davon auch in Colchane kein Exemplar.

Colchane liegt gleich an der Grenze zu Bolivien, wo sich der Salar de Coipasa befindet, ein grosses Weiss, das ich bei der Anfahrt von etwas weiter oben schön betrachten konnte. Ursprünglich war meine Idee, hier nach Bolivien zurückzukehren und sowohl den Salar de Coipasa wie anschliessend auch den Salar de Uyuni, die grösste Salzwüste der Welt, mit dem Velo zu durchqueren. Ohne einen einzigen Boliviano im Portemonnaie und mit der nächsten Möglichkeit an Bolivianos zu kommen erst in Uyuni, ca. eine Velowoche entfernt, gleicht dieses Vorhaben aber einem Ding der Unmöglichkeit. Einfach mein letztes Geld hier in Colchane (Chile) für Reis auszugeben, der mir eine Woche reichen wird, und bolivianisches Leitungswasser zu trinken funktioniert auch nicht, ist doch mein Kocher zur Zeit ausser Betrieb. Eine weitere interessante Route, weit weg von häufig betretenen Pfaden, fällt ebenfalls weg: Weiter südwärts über das chilenische Hochland, Richtung Cancosa, auf einem Strässchen welches laut topografischer Karte die 5000 m.ü.M.-Marke übersteigt und zu dem ich ansonsten keine Infos finden konnte, würde sicherlich den Reiz des abenteuerlichen besitzen. Doch die Frage „Wo will ich als nächstes hin“ ist nun nicht länger relevant, denn es geht hier ums nackte Überleben und ausschliesslich darum, zum nächstgelegenen Bankomaten und damit an Geld und Essen zu kommen. Diese Spur führt relativ eindeutig nach Pozo Almonte, gute 180 Kilometer entfernt, tief unten inmitten der Atacamawüste.

Als ich diesen Abend in Colchane ankomme, ist das ganze Volk auf der Strasse, da gerade heute in ganz Chile Wahlen auf Gemeindeebene stattfinden. Ich habe Glück, das oben erwähnte Hotel ist genügend erschwinglich, sodass ich nicht am Dorfrand Zelten muss. Einen Pausentag um mich von den Strapazen der letzten Tage zu erholen liegt aber nicht drin, dafür fehlt definitiv das Flüssige.

Somit geht es am nächsten Morgen erneut los zu einem frühen Start. Im völligen Gegensatz zu den vorherigen Tagen habe ich mir diesmal keine Mühe gemacht, mich über die Route zu informieren. Zwar sind es etwa 150 km bis nach Huara unten in der Wüste, doch die Strasse ist asphaltiert, und hey, ich verlasse gerade das Altiplano in Richtung Meer! Das bedeutet doch wohl eine fette Abfahrt, nicht?

Schwer getäuscht. Das „Verlassen“ des Alti-„planos“ beginnt gleich mal mit einigen deftigen Steigungen, so dass ich mich bald wieder weit über 4000 Metern befinde, ca. 500 Höhenmeter weiter oben als Colchane, wo ich gestartet bin. Während das mühselige auf und ab fortsetzt, nimmt der brutale chilenische Wind mächtig an Fahrt auf. Der Wind bläst stets vom Meer her, und dummerweise bin ich just dahin unterwegs. So kämpfe ich mich unter haarsträubendem Wind Hügel um Hügel hoch, nur um die gewonnene Höhe in rasanten Abfahrten wieder zu verlieren und alles wieder von neuem zu beginnen. Trotz des Asphalts muss ich oft schieben, der Wind ist einfach zu stark. Zwar habe ich auf einer Karte in Colchane einige Beschriftungen entlang dieser Route gesehen, doch es stellt sich heraus dass sich an diesem Abschnitt keinerlei bewohnte Ortschaften befinden. Die Gegend ist so dünn besiedelt wie eh und je.

Nachdem ich alle Beschwernisse der letzten Woche mit Bravour gemeistert habe, habe ich die aktuelle Strecke völlig unterschätzt. Dies hat unangenehme Konsequenzen: Ich komme überhaupt nicht vorwärts und habe viel zu wenig Essen dabei. Zu Beginn konnte ich pessimistische Gedanken noch verdrängen und es gelang mir, mich stehts auf den aktuell anstehenden Hügel zu konzentrieren. Um Mut und Kraft zu tanken höre ich eben mal kurz die ganze „The Offspring“-Diskographie durch, neun Alben, von „The Offspring“ bis zu „Days Go By“. Doch auch nach so vielen guten Liedern taucht aber immer noch nach jedem Hügel noch ein Hügel und noch einer und noch einer auf, all dies unter konstantem Gegenwind. Mit der Realisation dass ich das Hochland unmöglich heute verlassen kann und dass ich diese Nacht Hunger leiden muss, sinke ich erschöpft zu Boden.

Keine Minute vergeht, da kommt gleich ein Auto vorbei und hält neben mir an. Ob alles ok sei. „Ähm, um ehrlich zu sein habe ich ziemlichen Hunger…“ „Hier nimm!“ In Sekundenschnelle habe ich alle Hände voll von Essen, während sich die netten Leute winkend und glückwünschend verabschieden. Wie genial ist das denn! Ich mag Chile 🙂 Meine unmittelbaren Sorgen los, kann ich nun in aller Ruhe einen Zeltplatz suchen, welcher für lange Zeit der letzte auf diesen Höhenlagen sein wird.

Am nächsten Morgen starte ich gestärkt in den neuen Tag und nehme die nächste Steigung in Angriff. Mit einer guten Portion Erholung und unter Absenz des Windes (der Wind kommt jeweils erst um die Mittagszeit auf) bereitet sie mir keinerlei Probleme. Es stellt sich heraus dass sich mir von den gestern noch endlos erscheinenden Hügeln nur noch dieser eine den Weg verstellte, und nun endlich die lang ersehnte Abfahrt beginnt. Wie schnell die Gemütslage doch ändern kann! Gestern noch am Boden zerstört vom starkem Gegenwind, den vielen Hügeln und dem fehlenden Proviant, heute mit frischem Brot und Keksen bei Höchstgeschwindigkeiten dem Ozean entgegen.

Als ich mich das nächste mal bewusst umsehe, erblicke ich weit und breit nur Sand, Felsen und Geröll. Da die Vegetation schon seit jeher recht karg war, fiel mir der graduelle Übergang zur Wüste gar nicht auf. Nun bin ich aber mittendrin in der Atacamawüste, der allertrockensten der Welt.

Waow, Velofahren in der Wüste! Auch die erste Oase lässt nicht lange auf sich warten: Das Dorf Huara, an der Kreuzung mit der Ruta 5 gelegen. Die Ruta 5 ist die grosse Nord-Süd-Verbindung des Landes, Chiles Wirbelsäule. Nach Abflachen der grossen Abfahrt trennt mich aber noch die Ebene zwischen den Anden und dem Küstengebirgszug von dem Dorf. Derweil ich die Ebene durchquere bläst mir der Westwind direkt ins Gesicht. Hochkonzentriert setze ich alle verfügbaren Reserven frei und trete kräftig und gleichmässig in die Pedalen, um die verbleibenden 12 Kilometer möglichst rasch hinter mich zu bringen. Denn ich weiss, dass dieser Gegenwind nun im Verlaufe des Nachmittags rasant stärker werden wird.

Da sich auch in Huara kein Bankomat befindet und ich hier gerade mein letztes Geld für ein warmes Mittagessen ausgegeben habe, bleibt mir nichts anderes übrig als wieder aufs Velo zu steigen um 35 km weiter südlich in Pozo Almonte mein Glück zu versuchen. Die Passatwinde sind mittlerweile in vollem Gang und in Kombination mit dem vielen Verkehr auf der Ruta 5 machen sie das Velofahren zu einer qualvollen und gefährlichen Angelegenheit. Zum Glück verfügt die Strecke über einen grosszügigen Seitenstreifen (ähnlich dem Pannenstreifen unserer Autobahnen), sodass mich nicht gleich jeder Windstoss vor die mörderischen Räder des nächsten heranstürmenden Lasters weht.

In Pozo Almonte werde ich meine Geldsorgen endlich los. Als allererstes begebe ich mich zur Bank und lasse mir vom Bankomaten einige 10’000er-Scheinchen ausreichen, bevor ich mich in der erstbesten Billigunterkunft einquartiere (6000 Pesos, ca. 12 Franken). Der Besitzer erklärt mir, dass eine Massage im Preis inbegriffen sei, denn heute komme für diesen Zweck extra eine Person vorbei. Cool, da sage ich nach den Strapazen der letzten Tage natürlich nicht nein! Als nächstes Eile ich zum Internetcafé an der Strassenecke, um mich nach rekordverdächtigen 17 Tagen Absenz endlich wieder mit der grossen weiten Welt in Verbindung zu setzen. Dem Besitzer der Unterkunft ist die Massage anscheinend eine Herzensangelegenheit, denn stets wenn ich ihm begegne faselt er davon. Ja wann ich die Massage denn wolle… Vor 11 Uhr Nachts sei es eben nicht möglich… Ich solle den anderen Gästen nichts davon sagen, denn sonst würden natürlich alle eine wollen et-cetera et-cetera. Ich frage mich weshalb ausgerechnet ich von allen Gästen in den exklusiven Genuss einer solchen Massage komme. Schliesslich informiert mich der Besitzer dass ich mich in meinem Zimmer ausziehen und mich für die Massage bereit machen soll. Ich habe mich bemüht mir nichts Böses bei der Geschichte zu denken, doch als dann der Besitzer um 23 Uhr höchstpersönlich für die Massage vor meiner Zimmertür steht klingeln alle Alarmglocken. Ich will euch hier die Details ersparen, es genügt zu sagen dass ich mich nicht wirklich entspannen konnte.

Nach Vulkanbesteigung und acht Velotagen am Stück hatte ich vor, hier in Pozo Almonte etwas Pause zu machen. Kurzfristige Änderung des Plans, denn dem Besitzer der Unterkunft will ich möglichst nicht mehr begegnen. So mache ich mich am nächsten Morgen in aller Frühe aus dem Staub und besteige mein Velo, um möglichst viel Distanz zwischen mich und diesen Ort zu bringen. Auf meinem Weg nach Iquique komme ich am Geisterdorf Humberton aus der Salpeterzeit vorbei, UNESCO Weltkulturerbe notabene. Den mühsamen gestrigen Tag noch gut in Erinnerung fahre ich aber schnurstracks daran vorbei, zu gross mein Respekt von den Passatwinden, welche ab Mittag aufkommen werden. Nach Möglichkeit will ich mich um diese Zeit bereits in Iquique bei einem guten Mittagessen entspannen.

Die Anden habe ich bereits hinter mir, doch noch versperrt mir der relativ hohe Küstengebirgszug den Weg zum Meer. So darf ich heute nochmals eine ausgedehnte Abfahrt von etwa 1000 Höhenmetern geniessen. Immer noch ohne Orientierungshilfen unterwegs in Chile, erwerbe ich an einer Tankstelle schlussendlich eine chilenische Strassenkarte. „Ah, du bist aber schnell bis hierhergekommen“, überrascht mich ein Lastwagenfahrer, den ich Tags zuvor noch in den hohen Anden getroffen habe.

Endlich eröffnet sich mir der lang ersehnte Blick auf den Pazifik. Viele Gleitschirmflieger sind in der Luft. Die Anfahrt nach Iquique ist schlichtweg atemberaubend. Iquique, eine Stadt von ca. 200’000 Einwohnern, liegt eng eingeklemmt zwischen dem Meer und der steil aufsteigenden, ca. 1000m hohen Küstenkordillere. An letzterer führt die Strasse entlang, schräg den Hang hinunter, sodass man diese eindrückliche Wüstenstadt schön aus der Vogelperspektive begutachten kann. In Iquique angekommen steuere ich direkt ans Meer fürs Fotoshooting. Von Santa Cruz über die Anden an den Pazifik: Check! 🙂

Tag Route km Übernachtung
29. 10. 2012 Colchane – ? 65 Zelt
30. 10. 2012 ? – Pozo Almonte 130 Unterkunft
31. 10. 2012 Pozo Almonte – Iquique 55 Unterkunft

Anfahrt nach Iquique

Bienvenido a Iquique

Am Pazifik!

Iquique bei Nacht (mit Noemi)

Fotos Colchane – Iquique

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Zu den Strassen des Altiplanos

Alltag auf dem Altiplano: Die Karte zeigt eine einfache Strasse von A nach B. Also los, der Strasse gefolgt, um nach B zu gelangen. Frisch fröhlich geniesst man das gute Wetter und beobachtet fasziniert die Tierwelt, bis man auf einmal sowas erblickt:

?

Eine Verzweigung. Beschilderung abwesend. Die Strassenkarte weiss natürlich nichts davon und erweist sich als frustrierend nutzlos. Sie zeigt lediglich die Strasse von A nach B. Was nun? Ein Hauptpfad ist nicht zu erkennen, beide Wege sehen exakt gleichwertig aus. Und bis jemand vorbeikommt den man um Rat fragen könnte kann es Stunden oder sogar Tage dauern. Dieser Eintrag beschreibt, was man auf den Wegen des Altiplanos sonst noch alles so erlebt.

Andere Verkehrsteilnehmer

Es kursiert die Behauptung die entlegeneren Strässchen des Altiplanos seien einsam und verlassen, doch dies ist schlicht eine Unwahrheit. Dank des vorherrschenden Belages des hiesigen Verkehrsnetzes (Sand) wird man stets über andere Verkehrsteilnehmer informiert und kann sogar Schlüsse zu deren Identität ziehen.

Spuren im Sand

Die Qual der Wahl

Sand oder Waschbrett? Wähle weise deine Spur

Das Altiplano beschert einem oft mit Optionen, mancherorts kann man aus bis zu vier möglichen Spuren wählen. So beschert einem beispielsweise der Abschnitt im obigen Foto mit zwei reizvollen Optionen. Auf der unbefestigten linken Spur versinkt man wie in Treibsand, auf dem Waschbrettbelag der rechten Spur schüttelt es einem alle Zähne aus dem Gebiss. Da ich links nicht fahren kann, muss ich mich notgedrungen für rechts entscheiden.

Fehlender Fortschritt

Anders als auf dem bolivianischen Altiplano sind in Chile manche Strässchen ganz ordentlich beschildert. So wie etwa die A-95, an der immer mal wieder ein Schild auftaucht welches über die bereits zurückgelegten Kilometer informiert. Frustrierend nur, dass dieser Zähler mittendrin plötzlich wieder auf 0 zurückgesetzt wird!

Reset – mittendrin

gleich nochmals

Konstruiere deine eigene Strasse!

Lasst uns ehrlich sein: Die Strassen des Altiplanos sind schlecht. So schlecht, dass es viele Verkehrsteilnehmer bevorzugen, im Gelände neben der eigentlichen Strasse zu fahren. Sei einfacher, so ihre Argumentation. Tun es einige weitere Fahrer ihnen gleich, existiert bald eine Alternativstrasse. Schon wieder unzufrieden mit derselben beginnt bald wieder jemand eine neue Spur, und so weiter und so fort.

Unzufrieden mit den bereits vorhandenen 4 Strassen? Beginne eine neue!

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Expedition durchs chilenische Altiplano

„Die anstrengende Piste, die dort Richtung Süden abzweigt, ist zwischen Guallatiri und Colchane auf trockenen 150 Kilometern absolut unbewohnt und keinem Radler zu empfehlen“

J. Grossmann in „Das Lateinamerika BikeBuch“ (T. Schröder, R. Wiegers et. al., Reise Know How, 2007)

„Tramo difícil. Lindo, pero difícil. Espectacular, pero difícil. Caminos pésimos, mal hechos y señalización asquerosamente mala. Paisajes majestuosos. Camino pésimo y mal hecho. Así me la pasaba todo el rato, analizando el “trade off” entre pedalear por un camino vergonzosamente malo y ver la cordillera en una faceta totalmente desconocida. Camino de Mierda!!!! (gritaba de vez en cuando, era imposible avanzar, entre la calamina, arena y tierra, las ruedas simplemente no rotaban)“

„Don’t underestimate the altitude !!!! It kills you.“

Prolog

Von der bolivianischen Hochlandmetropole La Paz aus führt eine Hauptverkehrsader über die Grenze nach Chile. Diese gut asphaltierte Strasse führt einen weiter bis zu Chiles Hafenstadt Arica am Meer. Doch wer detaillierte Strassenkarten sein eigen nennt, vermag eine Alternative zu dieser etablierten Route auszumachen: Statt die Anden bereits zu verlassen kann man auf oft einspurigen Pfaden im chilenischen Altiplano verweilen, indem man die Gegend südwärts, parallel zur chilenisch-bolivianischen Grenze erforscht. Eine solche Expedition führt gleich durch vier geschützte Zonen Chiles: Den Parque Nacional Lauca, das Reserva Nacional Las Vicuñas, das Monumento Nacional Salar de Surire und den Parque Nacional Volcán Isluga. Auf den Abenteurer warten karge, unbewohnte Landschaften, grössenteils auf über 4000 m.ü.M. gelegen. Kalte, starke Winde suchen stets Nachmittags bis Abends die Gegend heim. Die dortigen Wellblech- und Sandpisten gehören zum allerschlechtesten von all dem, was sich Strasse rühmt. Nicht viele wagen sich in dieses unwirtliche Territorium vor. Doch diejenigen, welche weder Wassermangel noch Nahrungsmittelknappheit noch Schieben über weite Strecken fürchten und Wind und Kälte trotzen, werden reich mit Erfahrungen belohnt, die sich tief in das Gedächtnis des Reisenden einbrennen.

Kapitel 1: Willkommen in Chile

Sajama – Chungará (45 km)

Nach zwei „Pausentagen“ in Sajama steige ich wieder aufs Velo. Ich bin mir nicht sicher ob eine Vicuña-Hatz sowie die Besteigung eines 6000ers wirklich als Pause qualifizieren, also plane ich vorsichtigerweise mal eine lockere Etappe ein: lediglich über die Grenze nach Chile, und dort am erstmöglichen Ort das Nachtlager aufschlagen. Kinderleicht, sind es doch lediglich 40 Kilometer nach Chungará auf der anderen Seite, mehr als die Hälfte sogar asphaltiert. Die Route habe ich mir gestern auf dem Vulkan Acotango aus der Vogelperspektive visualisiert. Um über die Grenze zu kommen, muss ich einen 4700m-Pass bewältigen. Das klingt zwar hoch, doch vom Bolivianischen Grenzdorf Tambo Quemado, welches ich noch vor dem Mittag erreiche, fehlen lediglich noch ca. 250 Höhenmeter.

Ich nutze meine letzten Stunden im bolivianischen Mobiltelefonnetz um nochmals ausgiebig mit meinen neuen Freunden zu telefonieren. Ich habe ja Zeit, 250 Höhenmeter auf 5 Kilometern sind schliesslich ein Pappenstiel. Dachte ich. Als ich Nachmittags um 15:30 Uhr weiterfahren will, begrüsst mich Chile schon mal vorzeitig indem es mir einen irrsinnig starken Wind entgegen schickt. Vielleicht sitzt mir noch die Erschöpfung von der gestrigen Bergtour in den Knochen, jedenfalls erscheint es mir ein Ding der Unmöglichkeit bei diesem Wind bergauf zu fahren. O-oh, und die chilenische Grenze schliesst ja irgendwann am Abend! War es 18 Uhr? Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Ich kämpfe verzweifelt gegen den Wind an, der totalen Erschöpfung nahe, stets mit einem Blick auf die Uhr. Während die Zeit fortschreitet, muss ich mir jeden Meter hart erkämpfen. Schliesslich die Realisation: Ich schaffe es nicht. Keine Chance. Als ich endlich oben auf dem Pass ankomme ist es bereits nach 6 Uhr. Ein kurzes Foto, ehe ich auf der chilenischen Seite wieder hinunter strample (!), stets dem Wind entgegen. In einer fantastischen Abenstimmung finde ich dort den Lago Chugará vor, in dem sich der schneebedeckte Vulkan Parinacota spiegelt und sich Flamingos tummeln. Keine Fotos, sorry, denn in der Hoffnung die Grenze doch noch heute passieren zu können presche ich mich vorwärts ohne weitere Zeit zu verlieren. Als ich mich den wenigen Baracken Chungarás nähere, weicht die Nervosität schliesslich der Erleichterung: Die Grenze ist noch offen!

Nach über einem Monat in Bolivien betrete ich nun ein anderes Land. Bolivien war eine grandiose Erfahrung für mich, ich habe viel gelernt, nicht zuletzt in Bezug auf die Sprache. Ich konnte grosse Spanisch-Fortschritte verbuchen während meines Aufenthalts, und Konversationen über jedwelches Thema sind kein Problem mehr, auch per Telefon nicht. Sehr zufrieden betrete ich daher Chile mit grossem Selbstbewusstsein. Doch alles was ich hier verstehe ist: Bahnhof. „Blrdlrblrdp“, und schon hat der Grenzbeamte seinen Satz zu Ende gesprochen. „Que?“, „Como?“, „Hä??“ frage ich, ehe wir schliesslich notgedrungen ins Englische wechseln. Zwischen dem chilenischen und dem bolivianischen Spanisch liegen Welten. In Chile haben sie lauter eigene Wörter, welche die Chilenen, ganz stolz, selbst erfunden haben (und erfinden, denn laufend kommen neue hinzu). Diese rattern sie dann in einem Mordstempo herunter. Ich brauche eine liebe Weile um mich daran zu gewöhnen.

Mit schwer bepacktem Velo stehe ich also am chilenischen Grenzposten und warte auf meine Kontrolle. Ich importiere eine ganze Tasche voller Nahrungsmittel, denn den ersten chilenischen Ort mit Einkaufsmöglichkeiten werde ich erst in etwa einer Woche erreichen. Meine letzten Bolivianos habe ich am Grenzort Tambo Quemado für mehr Crackers ausgegeben. Diese sind staubtrocken und schmecken nach nix, doch ich brauche auch Nahrungsmittel die man ungekocht verzehren kann, und in den kleinen bolivianischen Lädelchen war die Auswahl etwas beschränkt, ums nett auszudrücken. Die chilenischen Zollbestimmungen machen einem das Leben auch nicht einfacher: Keine Früchte, kein Gemüse, keine Milchprodukte und so weiter und so fort. Ich weiss nicht genau was alles erlaubt ist, so bin ich heilfroh dass meine Schokolade den Zoll passieren kann. Eine Woche ohne Schokolade, unvorstellbar. Meine Bohnen nehmen sie mir jedoch weg: „Nicht erlaubt, denn das sind Samen“. Och, die wollte ich mir doch kochen. Omis Baumnüsse sowie den Dosenmais aus Oruro habe ich vorsichtigerweise mal nicht erwähnt (wurde schliesslich auch nicht explizit danach gefragt). Keine Ahnung ob die erlaubt waren oder nicht, doch sie sind mein bester Versuch doch noch eine halbwegs ausgewogene Ernährung hinzukriegen, zwischen all dem Reis und den Trockenkeksen.

Nachdem mein Gepäck endlich den Check auf verbotene Substanzen (wie etwa Kokain, Polonium, Äpfel, Heroin, Bananen…) passiert hat, ist es bereits am Eindunkeln. Die Grenzbeamtnen sind zwar nett, doch in ihren Baracken wollen sie mich nicht übernachten lassen, also weiter gehts. Sieben Kilometer weiter dem See entlang erschrecke ich in totaler Dunkelheit schliesslich einen Touristen, und finde so durch ihn das angestrebte Refugio (Schutzhütte), wo ich ein Bett, eine warme Dusche und Kochmöglichkeiten bekomme.

Auf dem Pass

Kapitel 2: Mollig warm

Chungará – Termas de Chirigualla (20 km)

Frühmorgens stehe ich heute auf, um den Sonnenaufgang an diesem zauberhaften Ort zu erleben. Bevor ich mich auf den Weg mache, hole ich beim Parkwächter noch die letzten Informationen ein. Wie befürchtet bestätigt er mir, dass keinerlei Verpflegungsmöglichkeiten bis zum 200 km entfernten Colchane existieren. Neben dem Refugio befindet sich zwar ein kleiner Kiosk, doch Gemüse oder Früchte führt er nicht, lediglich einige Kekse, und davon habe ich selbst schon reichlich. Mit dem Parkoffiziellen plaudere ich auch über die hiesige Tierwelt. So sollen sich hier Pumas in den Bergen rumtreiben, doch der Parkwächter versichert mir, dass sie keine Velofahrer fressen, denn die sind viel zu zäh 😉

Sieben Kilometer muss ich wieder zurückfahren von wo ich gestern gekommen bin, um auf den gewünschten Sandpfad abzuzweigen. Eigentlich fahre ich nicht gerne zweimal dieselbe Strasse, doch die fantastische Strecke entlang den Ufern des Lago Chungarás, in dessen Wassern sich die Vulkane spiegeln, würde ich auch noch sieben weitere Male mit grossem Vergnügen befahren. Die Abzweigung befindet sich gleich beim chilenischen Zollkomplex, wo einige Touristen sich mächtig wundern ob der sonderbaren Erscheinung eines Velofahrers, der da schwerbeladen auf einem Strässchen, auf dem er kaum die Balance halten kann, sich freudestrahlend ins Niemandsland hinaus begibt.

Lago Chungará und Volcán Parinacota

Die Strasse steigt und steigt, und ist in der Tat sehr sandig, so dass ich oft schiebe. Die spektakuläre Kulisse von Vulkanen (darunter auch der vor kurzem bestiegene Acotango) sowie die zahlreichen, scheuen Vicuñaherden sorgen für Ablenkung. Auch einige Rheas entdecke ich, welche aber stets sofort im Eiltempo von mir flüchten, perfekt getarnt im graugetönten Gestrüpp. Auf circa 4700 Höhenmetern beginnt schliesslich die Abfahrt, die mich direkt zu den Termalquellen von Chirigualla führt. Die Termas von Chirigualla – was für ein Ort! In kalten Regionen auf weit über 4000 Metern Höhe sprudelt da einfach vierziggrädiges Wasser aus dem Boden. Ein natürlicher Pool inmitten von vulkanischem Farbenspiel lädt zur Entspannung ein. Daneben befindet sich auch eine kleine Hütte mit einem von Menschenhand gefertigten Pool. Ich sehe wenig Grund diesen paradiesischen Ort zu verlassen und meine Kräfte mit dem verrückt starken sowie kalten chilenischen Wind zu messen, der stets ab Mittag wie irre von Süden bzw. Südwesten heranbraust. Ich weihe stattdessen in aller Ruhe endlich meinen Kocher ein (habe mich zuvor stets vorm Kochen gedrückt), bevor ich mir ein ausgedehntes heisses Bad im Freien gönne. Die Geschichte hat jedoch einen leicht bitteren Abgang, muss ich doch früher oder später den Pool wieder verlassen und mich entblösst dem kalten Nachmittagswind stellen. Darauffolgend mache ich mich ans Einrichten meines Schlafplatzes: Da ich den Ort völlig für mich alleine habe, mache ich es mir im der Hütte neben dem sich darin befindenden Pool bequem. Der perfekte wilde Campingplatz: Windgeschützt (wichtig!) und sogar geheizt durch die warmen Dämpfe des Pools. Zeltaufstellen nicht notwendig. Mit den herumliegenden starken Kartons dichte ich das Südfenster ab, von wo der Wind herkommt. Geistesgegenwärtig mache ich vorsichtigerweise mal das Nordfenster frei, welches sich gleich über meinem Kopf befindet, damit Frischluft hereinkommt. Ich weiss nicht wie real die Erstickungsgefahr wäre, jedenfalls gibt der Pool reichlich Dämpfe von sich. Noch einige Blicke aus dem mollig warmen Raum hinaus in den Sternenhimmel und die Hochlandkälte, bevor ich glücklich in den Schlaf falle.

Windgeschützter wilder Campingplatz mit Pool von ca. 40°C inmitten der Hochlandkälte

Kapitel 3: Der Staubschlucker

Termas de Chirigualla – Puente Rio Lauca (45 km)

Mein Weglein mündet bald in eine andere Naturstrasse, deren Belag aber um einiges solider und somit befahrbarer ist. Dies hat seinen Grund, denn hier passieren Lastwagen welche Borax vom Salar de Surire nach Putre und weiter nach Arica transportieren. Borax ist ein weisses Etwas, welches in grossen Mengen vom Salar gewonnen wird und unter anderem für Porzellan verwendet wird. Die Borax-Firma kommt für den Unterhalt der Strasse auf: Befeuchten, Belag neu verteilen und plattwalzen. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch die hunderten von Lastwagen, welche hier täglich passieren und welche mächtig viel Staub aufwirbeln (es sei denn dass Befeuchtungsfahrzeug kam gerade vorbei). Ich mime einen Tuareg um mich zu verteidigen. Die Lastwagenfahrer sind gut gelaunt und unterhalten mich mit kreativen Gesten.

Solche Staubwolken muss ich den ganzen Tag über mich ergehen lassen

Mittags erreiche ich Guallatiri, ein Dörfchen in dem doch tatsächlich eine Handvoll Leute lebt. Einen Laden gibt es wie angekündigt nicht, doch, oh siehe da, eine Unterkunft/Restaurant. Und sie haben Salat! Vitamine, die ich wegen den eifrigen chilenischen Zollbeamten dringend nötig habe. Zum Mitnehmen will mir die Besitzerin allerdings nichts von ihrem Grünzeug verkaufen.

Guallatiri

Rückblende zurück nach Oruro, Bolivien. Ich habe gerade beschlossen, nach Chile zu fahren. Also sollte ich mir wohl besser einige chilenische Scheinchen besorgen, damit ich mir dort auch was kaufen kann. Leichter gesagt als getan in Oruro, einer Stadt von beinahe 250’000 Einwohnern. Die Banken wechseln kein Geld, also auf zum „Casa de Cambios“ (Wechselhaus). Dieses entpuppt sich als Kioskähnlicher Schuppen in einer abgeschiedenen Gegend. Die gute Frau in dem Häuschen hat aber keine Chilenos. Plötzlich tauchen von allen Seiten her Männer auf, Hüte tief ins Gesicht gezogen, mit ihren Scheinchenbündeln in der inneren Jackentasche. Jeder von ihnen hat einige chilenische Pesos, und sie nennen mir den Preis in Bolivianos. Ich habe den Kurs nur vage im Kopf und muss zudem im Eiltempo (die Männer scheinen ungeduldig) von Bolivianos zu Franken zu Chilenos umrechnen um die genannten Preise zu überprüfen. Hinzu kommt der tiefe Wert der chilenischen Pesos, sodass es sich dabei um vier- bis fünfstellige Beträge handelt. Ich bin mir meiner Sache alles andere als sicher als ich in den Kauf einwillige, kann gut sein dass ich gerade das 10fache bezahle. So klammheimlich mysteriös wie die Geldbündelmännchen aufgetaucht sind, verschwinden sie dann auch wieder. Zurück im Hotel folgt dann die Überraschung, als ich meine Geschäfte im Internet überprüfe: Ich bin sogar noch leicht besser weggekommen als vom offiziellen Kurs angegeben! Sehr sehr komisch die ganze Geschichte. Nun gut, ich beklage mich nicht und wie dem auch sei, in ganz Oruro scheint es nicht mehr als 33’000 Pesos zu geben, umgerechnet lediglich 65 Franken. Dies muss reichen bis zum ersten Ort mit Bankomaten in Chile, und der ist noch Lichtjahre entfernt.

Zurück zu Guallatiri, Chile: Wie schon zuvor am Lago Chungará im Parque Nacional Lauca befindet sich auch hier im Reserva Nacional Las Vicuñas ein Refugio, welches von den Conaf1-Parkwächtern unterhalten wird. Da um diese Zeit stets der brutal starke, willenszermürbende Südwind (also Gegenwind) einsetzt, gedenke ich den Tag hier zu beenden. Entgegen der angaben des Lauca-Parkwächters ist diese Refugio aber nicht geöffnet (ich hoffe mal dass das, was er mir über die Passivität der Pumas erzählte, nicht ebenso falsch ist!). Die gute Frau im Hotel will 9000 Pesos für die Übernachtung, was ich mir mir meinen verbleibenden ca. 25’000 beim besten Willen nicht leisten kann. Nachdem ich mir im kostengünstigen Bolivien stets alles gegönnt habe und wie ein König frönte, schlage ich nun zum ersten Mal auf Grund des Preises etwas aus. Nur wenig Geld dabei und keinerlei Möglichkeiten, an weiteres zu kommen, sind ein fantastisches Rezept um ein striktes Budget einzuhalten. Auch wenn es noch so unmöglich scheint mit so wenig auszukommen, wenn es denn sein muss, geht es dann schon. So hoffe ich zumindest.

Hinaus also, hinaus ins Freie, den Feind zu konfrontieren. Aber hä? Ich habe ja Mitwind? Der Wind sollte doch eigentlich von der anderen Seite zu kommen. Als ob er mich gehört hätte und sich so seines Fehlers bewusst wird, ändert der Wind sogleich seine Richtung. Mist! Es folgt ein äusserst anstrengender Nachmittag, viel Wind, viel Staub, wenige Kilometer. Dennoch werde ich für meine Mühen belohnt: An der Puente Río Lauca sehe ich einige grosse Vögel kreisen: Kondore! Gleich zwölf an der Zahl, und sie kommen näher! Wow. Lange beobachte ich diese Könige der Lüfte. Genau so muss eine Reise sein, mit jedem neuen Tag fantastischer als der gestrige.

P1010248 - Kondor

Kondor

Ganz zu Ende ist der Tag aber noch nicht, es bleibt die unangenehme Frage nach der Übernachtung. Hierzugegend gibt es absolut keine Zeichen von Zivilisation, es bleibt mir also nichts anderes übrig als heute bei irrem Wind auf verrückten Höhen mein Zelt aufzuschlagen. Die Felsen links und rechts breiten sich aus wie die Arme von Kali. Stundenlang laufe ich ihren Wänden entlang auf der Suche nach etwas Windschutz – doch der Wind infiltriert einfach alles. Der Tag neigt sich dem Ende zu und eine pragmatische Entscheidung drängt sich auf. Der relativ beste Platz ist einen halben Kilometer von der Strasse entfernt, und der tiefe Sand durch den ich das Velo zu schieben habe bereitet mir viel Arbeit. Nichtsahnend steuere ich das Velo auch durch ein bachähnliches Feuchtgebiet – argh, das Zeug klebt ja überall wie verrückt! Beinahe eine Stunde benötige ich am nächsten Morgen um alles gründlich zu säubern. Das Zelt befestige ich mit Steinen und Sand nach allen regeln der Kunst, die Nacht überstehe ich gut. Bin wirklich zufrieden mit meinem Schlafsack.

1Corperación Nacional Forestal

Kapitel 4: Weiss wie Porzellan und Reis

Puente Rio Lauca – Salar de Surire (40 km)

Erneut ein Tag an dem ich hundertmal begraben werde – unter dem Staub der kreuzenden Lastwagen – ohne auch nur einmal zu sterben. Die Übeltäter haben ihre Basis auf dem Salar de Surire, ein Salzsee, der nicht mehr weit sein sollte. Nach vielem Auf und Ab eröffnet sich mir schliesslich der vorfreudig erwartete Blick auf das grosse Weiss. Am Ufer der Salzwüste setze ich mich zur Mittagspause um meinen Eintopf zu kochen. Ich habe in den letzten Tagen so richtig Spass bekommen an der ganzen Camping-Zelten-Kochen-alleine-in-der-Wildniss-Geschichte. Reis, Wasser, Bouillon und Dosenmais in die Pfanne hauen und Kocher entzünden. Doch dieser letzte Punkt bereitet mir arge Probleme: Egal wieviel ich Pumpe, es gelingt mir nicht, Druck in der Brennstoffflasche aufzubauen. Was auch immer ich versuche, nichts funktioniert. Och, gerade als das Kochen begann Spass zu machen.

Die Realisation der Konsequenzen lässt nicht lange auf sich warten: Nicht nur ist mein heutiger Znachmittag im Eimer, ich habe auch ein arges Problem für die weiteren Tage, denn ich bin noch Meilenweit und 2 bis 3 Tage vom nächsten Ort mit Verpflegung entfernt. Zwar habe ich eine solche Pannensituation so halb antizipiert und mir deshalb in Bolivien viele Crackers gekauft (habe in den spärlichen Regalen nichts anderes gefunden was man nicht Kochen muss und was die chilenische Grenzkontrolle passiert). Doch nicht nur sind die staubtrocken, darüber hinaus stelle ich bei genauerer Inspektion auch fest dass mein spärlicher Vorrat leider nirgends hinreichen wird. Meine kurz zuvor noch blendende Laune verschlechtert sich somit rapide und ich werde richtig wütend. Blöder Kocher hey! Glaubt der eigentlich ich schleppe hier zum Spass Kiloweise Reis, Pasta und Brennstoff über Tage hinweg auf den schlechtesten Strassen der Welt mit mir herum?

Jaja, zutreten wenn einer am Boden liegt. Als ich weiter zum „Conaf Refugio Monumento Natural Salar de Surire“ pedalen will, welches lediglich 10 flache Kilometer entfernt ist, schlägt der verrückt starke chilenische Nachmittagsgegendwind gnadenlos zu und gibt mir den Rest. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das Refugio erreiche befindet sich meine Stimmung auf -273,15°C, dem absoluten Tiefpunkt. So gehe ich zum Wohle beider Parteien den dort anwesenden vier Touristen erstmal aus dem Weg. Eine ausgedehnte heisse Dusche vermag die Laune wieder etwas zu erwärmen, sodass ich mich danach zu einem interessantem Gespräch zu den beiden Paaren aus Holland und Belgien geselle. Da stets eine Person nicht Spanisch/Deutsch/Niederländisch/Französich spricht, einigen wir uns auf Englisch. Die Leute sind super nett und bieten mir an mich per Auto mitzunehmen. So schnell gebe ich aber nicht auf, und suche nach einer alternativen Lösung zu meinem Verpflegungsproblem. Im Refugio darf ich den Gasherd benutzen, so dass ich mir einen grossen Topf Reis auf Vorrat koche. Dies wird hoffentlich für die nächsten zwei, drei Tage reichen.

Salar de Surire

Kapitel 5: Schmugglerpfade und Geisterdörfer

Salar de Surire – Mocomocone (40 km)

Nach Bestaunung des Salzsees unter Sternenlicht und anschliessend bei Sonnenaufgang erkunde ich die Felsen hinter dem Refugio. Bald hoppeln überall Vizcachas (oder „Hasenmäuse“, zu gut Deutsch) hervor und melden ihr Interesse an meinen Trockenkeksen an. Diese niedlichen Nager sind scheu, schnell und sprungstark, sodass alle unsere früheren Begegnungen nur Sekundenbruchteile dauerten. Die hier ansässigen Vizcachas sind sich Besucher wohl gewohnt und sind weniger scheu, so dass wir uns zum gemeinsamen Zmorgen setzen.

Mit jedwelchem verfügbaren Gefäss gefüllt mit gekochtem Reis setze ich meinen Weg fort, dem Salar entlang zu den Termas de Polloquere. Die Lastwagen bin ich los, und trotz der Absenz der Wartungsarbeiten des Boraxunternehmen bleibt der Weg erstaunlich gut befahrbar. Die Thermen dampfen stark und sind so schon von weitem zu erkennen. Bei der Ankunft überrasche ich drei Flamingos, die elegant in ihrem pink-schwarzen Federkleid von mir weg fliegen. Die Thermalbäder befinden sich am Rande des Salars und sind komplett natürlich. Ich kremple die Hosen hoch um meine Beine zu baden und so den Kreislauf anzukurbeln, doch ich schaffe es nicht ins Wasser einzutreten – zu heiss! 66° Celsius, wie mich ein Schild informiert. Am Himmel formiert sich indes eine Gewitterstimmung und der eiskalte Wind nimmt so schon vor dem Mittag kräftig an Fahrt auf. Ich befinde mich in der Zwickmühle: Draussen zu kalt, im Wasser zu heiss. Es bleibt mir also nichts anderes übrig als diesen wunderschönen Ort vorzeitig zu verlassen. Ist vielleicht gar nicht so schlecht, denn der Weg ist noch weit und es ist ungewiss wie viele Tage mein überaus schmackhafter Reis reichen wird.

Termas de Polloquere – 66°C!

Ich gedenke eine Alternativroute zu nehmen, welche auf den meisten Karten nicht oder nicht mehr eingezeichnet ist, und welche die Parkwächter gerne unter den Teppich wischen wollen. Erst nach beharrlichem Nachbohren bestätigt mir der Offizielle im Refugio Salar de Surire dass die Route immer noch existiert, doch zum Strassenzustand kann er keine Aussagen machen. Der Grund für diese Heimlichtuerei: Der Pfad führt während ca. 3 km über bolivianisches Territorium, doch niemand scheint genau zu wissen wieso.

Ich beschliesse diesem Mysterium auf den Grund zu gehen indem ich diesen Pfad persönlich aufsuche und befahre. Am Ende des Salars taucht eine unsignalisierte Kreuzung auf, drei Wege stehen dem Velotourer zur auswahl. Die Himmelsrichtungen sprechen leider für den Schotterpfad, welcher schnurgerade und gnadenlos den Berg hinauf führt. Lange kämpfe ich mit Wind und Gradient, ehe ich mich des mitgeführten Mp3-Players erinnere: Lieder wie Metallicas „The Four Horsemen“ und Therions „To Mega Therion“ hieven mich schliesslich über den Berg. Ein letzter Blick zurück zum Salar mit den Sturmwolken darüber, ehe ich mich weiter ins Unbekannte begebe.

Während der Weg zunehmend schlechter und überwachsener wird, tauchen unzählige Pfade und Spuren auf, die vom Hauptweg wegführen. Was erzähle ich hier über den Hauptweg, bald ist es alles andere als klar welcher der Spuren denn bitte der Hauptweg sein sollte. Ich werde etwas nervös und zweifle daran, wirklich auf dem richtigen Weg zu sein. Hier herrscht absolute Einsamkeit, trotz guter Aussicht erblicke ich nur einsame Hügel und die besagten sich verzweigenden Spuren. Ich bin völlig alleine. Habe ich wirklich die richtige Abzweigung genommen? Befinde ich mich in Bolivien? Welchen der vielen Pfade soll ich nehmen? Führen all die Pfade auch wirklich wieder nach Chile zurück? Fragen über Fragen. Irgendwie gleicht die Szene so ganz und gar nicht einer Beschreibung, die ich im Internet gefunden habe. Es soll sich etwa an dieser Stelle ein eingezäuntes Minenfeld befinden (ein Relikt des Salpeterkrieges zwischen Chile und Bolivien), doch ich sehe weit und breit keinen Zaun. Ich hoffe mal ich befinde mich nicht gerade mitten drin! Signalisation ist natürlich keine vorhanden. Logisch, denn der Weg führt ja durch Bolivien, wo mit Beschilderungen äusserst sparsam umgegangen wird, milde ausgedrückt. An dieser Stelle hole zum ersten Mal meinen Kompass hervor um zu überprüfen, dass die vielversprechendste Spur auch tatsächlich in die richtige Richtung führt. Das tut sie, also los. Soweit ich die Situation im verlaufe des Weges überblicken kann, sind die verschiedenen Spuren lediglich Alternativrouten und führen alle wieder ineinander zurück. Würde mich jedoch nicht verwundern wenn eine davon tief ins bolivianische Landesinnere hineinführen würde. Gross ist meine Erleichterung als ich auf ein kleines Schild mit der Aufschrift „Bolivia“ treffe, denn dieses habe ich schon im Internet gesehen, was mir bestätigt dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Zurück in Bolivien

Tatsächlich, bald treffe ich auf einen anderen Pfad, in welchem ich die „Hauptstrasse“ zu erkennen glaube (kein Weg hier oben verdient das Prädikat „Strasse“). Auch Strassenschilder tauchen wieder auf, ich bin also ohne Zweifel zurück in Chile. Die Beschilderung ist jedoch äusserst merkwürdig: Es existieren nur Schilder für die Gegenrichtung! Stets blicke ich über die Schulter um sie lesen zu können. Bin ich hier etwa in eine Einbahnstrasse eingebogen?

Die zuvor angesprochene Gewitterstimmung entwickelt sich zu meinem Vorteil: Das Gewitter wirbelt die hier vorherrschenden Naturgesetze anscheinend kräftig durcheinander, sodass ich an Stelle des üblichen Gegenwindes auf einmal Mitwind geniessen darf. So bin ich relativ zügig unterwegs, zumindest soweit es die Spurenverhältnisse erlauben. Oft gibt es Alternativen, bis zu vier parallel verlaufende Spuren, gutes Urteilsvermögen ist also entscheidend. Die unverhofften Windverhältnisse darf ich natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen, sodass ich trotz beachtlichem Hunger bis auf weiteres auf die Mittagspause verzichten muss. Jaja, diese Probleme immer 😉

Als ich nachmittags das Dorf Mocomocone erreiche, muss ich dann schliesslich doch etwas essen, Mitwind hin oder her. Mocomocone, Macomacone oder Mucomucone, je nachdem welcher Quelle man vertraut. Die Bewohner des Dorfes können dieses Rätsel nicht lösen, denn es gibt keine mehr.

Im Geisterdorf kommt so richtiges Gothic-Feeling2 auf: erst mal alle Häuser erkunden und schauen ob was Brauchbares für mich dabei ist. Das einzige Haus mit intaktem Dach hat einen eigenartigen Geruch und unter anderem liegen da auch grosse Knochen rum. So genau wollte ich das dann doch nicht erforschen, also suche ich mir das beste Haus ohne Dach aus und beschliesse, die Nacht dort drin zu verbringen. Und was passiert wenn man in niederschlagsarmen Gebiet in einem Haus ohne Dach übernachtet? Genau, es beginnt zu regnen.

Geisterstimmung im Geisterdorf

2Gothic I – III, Computerspiel, RPG. Sehr zu empfehlen.

Kapitel 6: Zurück zur Zivilisation

Mocomocone – Colchane (50 km)

Der Morgen ruft in Mocomocone, dessen Einwohnerzahl sich gestern mehr als vertausendfacht hat. Als ich meinen Weg fortsetze sinkt sie von 1 wieder zurück auf 0. Einsam wie eh und je geleitet mich das Altiplanosträsschen durch schmucke Canyons entlang fruchtbarer Bofedales, hochandinen Feuchtgebieten, wo sich Alpacas und diverse Vögel das Habitat teilen. Dieser Teil der Route ist mit Abstand der schlechteste bezüglich des Belages, mit ausgedehnten tiefsandigen Abschnitten und mühsamer Schieberei. Zum Glück liegt Colchane, das heutige Ziel, tief unten auf ca. 3800 m.ü.M., so dass ein angenehmer Abwärtstrend vorherrscht, was das Vorwärtskommen entscheidend erleichtert.

Frustrierende Strassenverhältnisse

Zur Mittagszeit erreiche ich die Thermen von Enquelga. Im Gegensatz zu den vorherigen Termales gibt es hier lediglich einen Betonpool und keine natürlich geformten Becken. Auch das Wasser ist bestenfalls lauwarm, ein starker Abfall von den 66°C am letzten Ort. Zu meiner grossen Überraschung treffen immer mehr Personen ein, sodass sich der Schwimmbad bald füllt. Leute! Erst jetzt, als der Anblick einer Gruppe von Menschen ziemliche Aufregung in mir auslöst, wird mir meine Einsamkeit der letzten Tage so richtig bewusst. Obwohl ich mich nicht bade bleibe ich einige Stunden hier, das lebhafte Treiben betrachtend und einige Worte wechselnd, um mich so langsam wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Das verbleibende Stück nach Colchane ist superleicht zu bewältigen, alles abwärts, mit zumindest halbem Mitwind (ich fahre ostwärts, derweil der Wind stets von Meer her kommt) und schlussendlich sogar einige Kilometer Asphalt. Asphalt! Lange ist es her… Unglaublich wie leicht man auf Teer vorwärtskommt! So treffe ich zügig und ohne weitere Probleme im besiedelten Colchane ein. Der scheinbar schwierige, menschenleere Teil des chilenischen Altiplanos ist durchquert. Doch für mich fängt das Abenteuer damit erst an. Aber das ist eine andere Geschichte…

Kapitelverzeichnis

Tag Route km Übernachtung
23. 10. Sajama – Chungará 45 Refugio
24. 10. Chungará – Termas de Chirigualla 20 Thermalbad
25. 10. Termas de Chirigualla – Puente Rio Lauca 45 Zelt
26. 10. Puente Rio Lauca – Salar de Surire 40 Refugio
27. 10. Salar de Surire – Mocomocone 40 Geisterdorf
28. 10. Mocomocone – Colchane 50 Herberge

Fotos Sajama – Colchane

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Grüsse aus Chile

Korrektur: Lastwagen aus Chile Bolivien

aufgenommen am 24. Oktober 2012

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Höher als jemals zuvor: Die Besteigung des Acotango

Ich tausche das Velo für einen Rucksack, denn dahin wo ich heute will führt keine Strasse. Das Ziel ist der Gipfel des Stratovulkans Acotango, 6052 m.ü.M. auf der bolivianisch-chilenischen Grenze gelegen. Um den Gipfel auch heute zu erreichen, müssen wir den Tag etwas ausdehnen: Um 00:30 Uhr klingelt der Wecker, um 1:10 Uhr machen wir uns per 4×4 auf zum Fusse des Vulkans und um etwa 3 Uhr nachts beginnen wir mit dem Aufstieg.
Wir werden von einem starken Wind begrüsst, es ist sehr kalt. Heute sollen nicht nur meine physischen Fähigkeiten aufs äusserste getestet werden, sondern auch die Tauglichkeit meiner Kleider. Während die Schwachstellen bald eruiert werden (Hände und Füsse) fällt das Gesamtresultat doch sehr zufriedenstellend aus. Zusammen mit meinem guten Schlafsack sollte ich also jede noch so kalte Andennacht problemlos überstehen können.
Wir starten den Aufstieg auf etwa 5000 m.ü.M.. Der Berg ist technisch nicht wirklich anspruchsvoll, aufgrund der Höhe ist die Besteigung aber doch ein schwieriges und gefährliches Unterfangen. Es besteht jedoch kein Grund zur Besorgnis, denn mein Begleiter Rémi und ich haben keinen geringeren als den Bergführer Mario Perez angeheuert, welcher anno 2001 das höchste Fussballspiel der Welt bestritt, ausgetragen auf 6542 m.ü.M. auf dem Gipfel des Vulkans Sajama.
Um die Gefahr einer starken Höhenkrankheit zu vermindern starten wir unseren Nachtspaziergang gemächlich. Trotz allen Vorsichtsmassnahmen bekomme ich aber bereits zu Beginn des Schnees auf etwa der Hälfte des Weges Probleme, währenddem Rémi (welcher vor kurzem bereits einen anderen 6000er bestieg) noch frisch wie ein Weggli ist. Wie schon beim diesjährigen Rigimarsch bereitet mir die Ausführung der scheinbar simplen Aktion, einen Fuss vor den andern zu setzen, arge Mühe. Mir fehlt schlichtweg die Energie und ich habe das Gefühl mir wird jeden Moment schwarz vor den Augen (die Sonne war zu diesem Zeitpunkt schon am Himmel). Lange kann ich diesen Zustand vor Mario nicht verheimlichen. „Das ist sicher weil ich seit langer Zeit nichts mehr gegessen habe“, sage ich mehr zu mir selber als meinen besorgten Begleitern. In Wirklichkeit verspüre ich überhaupt keinen Hunger, und doch komme ich nach dem Frühstück wieder besser klar. Bis zum Gipfel sinds noch etwa 500 extrem hohe Höhenmeter, und der Weg zu Fuss dahin erscheint weiter als der Weg per Velo nach Feuerland. Ich bin jedoch entschlossen den Gipfel zu erreichen, und unter Anwendung aller mir bekannten mentalen Tricks setze ich den Weg fort. Während meine ganze Energie und Konzentration meinen Beinen und Füssen gilt, schiesst Rémi diverse Fotos der spektakulären Landschaft (siehe weiter unten).
„Das dort muss der Gipfel sein!“, erklärt Rémi erfreut. „Kann nicht sein, viel zu früh“ erwidere ich, dasselbe was ich beim Erklimmen eines Passes per Velo auch gesagt hätte. Tatsächlich kommt nach dem vermeintlichen Gipfel noch ein „Gipfel“ und dann nochmals einer, ehe Mario schliesslich die Sicht auf die wahre Spitze des Vulkans bestätigt.
Das Glücksgefühl, es schlussendlich doch noch geschafft zu haben, ist enorm, als wir um 11 Uhr das fantastische 360°-Panorama bestaunen. Wie eigentlich immer in den Bergen werden wir reich belohnt für unsere Anstrengungen und alle Wewehchen gehen vergessen. Heute betrachte ich zur Abwechslung die kommende Veloroute mal nicht über einer Karte, sondern über dem realen Gelände: Ganze zwei Fahrtage kann ich in die Zukunft schauen. Mario drängt richtigerweise zur Eile, und so begeben wir uns nach wenigen Fotos und Einträgen ins Gipfelbuch bereits auf den Abstieg. Es ist gefährlich, auf diesen Höhenlagen länger zu verweilen, wenn man keinen zusätzlichen Sauerstoff mitführt.
Der Abstieg gestaltet sich unerwartet mühsam und quälend lange, meine Hoffnung die Landschaften beim Rückweg etwas mehr geniessen zu können wurde nicht erfüllt. Meine Kopfschmerzen haben beim Aufstieg proportional zur Höhe stetig zugenommen und mein Kopf scheint nun dem explodieren nahe, sodass sich nun jedweder meiner Schritte wie ein Schlag gegen die Schädelwand anfühlt. Ein schnelles Verlassen dieser unwirtlichen Höhen ist aufgrund des Schnees nicht möglich, der sich in hohen eisigen Stacheln präsentiert. Man muss also seine Schritte sorgfältig wählen und die (zu) zahlreichen Ausrutscher sind schmerzhaft. Als wir das Ende des Schnees nach einer gefühlten Ewigkeit endlich erreichen ist der Rest einfach: Mit unseren geliehenen, robusten Bergschuhen rennen wir auf direktestem Wege den Berg hinunter und lassen uns dabei vom Geröll runtertragen. Zurück im Auto fallen Rémis und meine Augen alsbald zu, und von der Reifenpanne und weiteren Geschichten des Rückweges bekommen wir kaum mehr etwas mit.

Morgendämmerung sowie Beginn des Schnees – mit Rémi

Der Schnee präsentiert sich in Form von eisigen Spitzen (Photo by Rémi)

Der Schnee präsentiert sich in Form von eisigen Spitzen (Photo by Rémi)

Aufstieg durch die Penitentes (Photo by Rémi)

Aufstieg durch die Penitentes (Photo by Rémi)

Aufstieg nahe der Krete, im Hintergrund Vulkan Sajama

Aufstieg nahe der Krete, im Hintergrund Vulkan Sajama (Photo by Rémi)

Mobilisierung der letzten Kraftreserven

Mobilisierung der letzten Kraftreserven (Photo by Rémi)

Blick nach unten (Photo by Rémi)

Yiiihaa, geschafft!

Ich präsentiere: Lago Chungará, Vulkan Parinacota, Vulkan Pomarape (v.l.n.r.), sowie meine Route von morgen

Rémi und Mario

Rémi und Mario

Blick auf die andere Seite: Vulkan Guallatiri in Chile

Vulkan Sajama

Hin und wieder zurück (Photo by Rémi)

Hin und wieder zurück (Photo by Rémi)

und weil die Aussicht so fantastisch ist: nochmals Sajama!

und weil die Aussicht so fantastisch ist: nochmals Sajama! (Photo by Rémi)

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